"Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen,
sondern darauf, auf sie vorbereitet zu sein" (Perikles)  

Demografischer Wandel

in der Oberpfalz

Umbau statt Rückbau
innovative Ansätze zur Sicherung öffentlicher Infrastruktur bei rückläufiger Auslastung

Die Gewährleistung einer angemessenen und wohnortnahen Versorgung der Bevölkerung mit Infrastruktureinrichtungen gehört zu den zentralen Zielen von Raumordnung und Landesplanung. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wird sie zu einer vordringlichen Aufgabe für die kommunalen und regionalen Akteure - insbesondere in Teilbereichen des ländlichen Raums. Dort ist bereits heute in Ansätzen eine Ausdünnung des Angebots an Einrichtungen zur Daseinsvorsorge (z.B. Post, Telekommunikation, Einzelhandel) festzustellen.

Eine abnehmende Bevölkerung hat eine geringere Siedlungsdichte zur Folge, woraus sich die Notwendigkeit zur Anpassung der vorhandenen Infrastruktur ableiten lässt. Insbesondere bei der raumbezogenen technischen Infrastruktur im Bereich von Wasser, Abwasser, Entsorgung und Fernwärme ist dies - sofern überhaupt - nur deutlich zeitversetzt möglich. Denn diese zeichnet sich durch lange Planungs-, Vorbereitungs- und Bauphasen, eine hohe Kapitalintensität sowie sehr lange Nutzungsdauern aus. Infrastruktursysteme sind unter technischen, organisatorischen und Kostengesichtspunkten sehr inflexible Systeme, was ihre Kapazitätsverringerung oder ihren Rückbau betrifft.

Gleichwohl sind sie Bestandteil der Grundversorgung und damit für die Attraktivität einer Stadt oder Gemeinde von großer Bedeutung.

Beispiel:

Preissteigerung im Abwasserbereich bei abnehmender Nutzerzahl bzw. reduziertem Verbrauch

Ist-Situation:
Anlagekosten
100.000 Euro / Jahr
davon Fixkosten
  75.000 Euro / Jahr
davon variable Kosten
  25.000 Euro / Jahr
Gemeinde mit 1.000 Einwohnern (EW); jährlicher Pro-Kopf-Wasserverbrauch: 50 m3
  • 100 Euro / EW und Jahr
  •     2 Euro / m3 Abwasser
Rückgang der Einwohnerzahl:
Gemeinde hat nur noch 500 EW, Wasserverbrauch ist gleich bleibend
(fixe Kosten bleiben konstant, variable Kosten werden halbiert)
  • 175 Euro / EW und Jahr
  •   3,5 Euro / m3 Abwasser
Rückgang der Einwohnerzahl und Halbierung des Pro-Kopf-Wasserverbrauchs:
Gemeinde hat nur noch 500 EW, Wasserverbrauch sinkt auf 25 m3 / EW und Jahr
(fixe Kosten bleiben konstant, variable Kosten werden geviertelt)
  • 162,5 Euro / EW und Jahr
  •      6,5 Euro / m3 Abwasser

Bei geplanten Infrastrukturprojekten sollte daher die mittel- bis langfristig zu erwartende Bevölkerungsentwicklung berücksichtigt werden. Im Hinblick auf die Sicherung einer angemessenen Versorgungsqualität in der Fläche kommt in diesem Zusammenhang der Stärkung der zentralen Orte insbesondere im ländlichen Raum eine wichtige Bedeutung zu. Zentrale Einrichtungen sollten zur Verbesserung ihrer Auslastung soweit möglich in zentralen Orten vorgehalten werden. Darüber hinaus sollten Möglichkeiten einer multifunktionalen Nutzung von Einrichtungen bzw. mobile Versorgungsstrukturen geprüft werden (vgl. nachstehende Abbildung). Als Schwerpunkte der Siedlungsentwicklung sollen Zentrale Orte zu einer Konzentration und Verdichtung der Bebauung beitragen.

Handlungsoptionen der Infrastrukturentwicklung
Handlungsoptionen Kennzeichen Entwicklung des Einzugsbereichs Beispiel
Quelle: BMVBS und BBR 2006
Erhöhung der Erreichbarkeit Verbesserung der Verkehrsanbindung zur Auslastungserhöhung größer / gleich
Verkleinerung Proportionale Reduzierung der Einrichtung / des Angebots zur Bevölkerung gleich / kleiner
Dezentralisierung Aufteilung in kleinere effiziente Einheiten (bei hohen Anbin-dungskosten) kleiner
Zentralisierung (mit Erreichbarkeitsstrategie) Zusammenlegung von unter-ausgelasteten Einheiten mit komplementärer Erreichbar-keitsverbesserung größer
Temporär-mobile Ansätze Versorgungsinstitution nur zu eingeschränkten Zeiten verfügbar gleich
Neustrukturierung / Substituierung Zweck wird durch neue Art der Aufgabenerfüllung erreicht fallabhängig

Handlungsmöglichkeiten

  • Bedarfsgerechter Umbau der kommunalen Infrastruktur
  • Konzeption öffentlicher Einrichtungen unter Gesichtspunkten multifunktionaler Nutzungs-möglichkeit und flexibler Kapazitäten
  • Anpassung der touristischen Angebote an veränderte Nachfragestruktur (z.B. seniorengerechte Angebote)
  • Anpassung des ÖPNV-Angebots an Altersverschiebung der Bevölkerung (Informationsangebote, technische Ausstattung, veränderte Linienführung, usw.)
  • Ausbau flexibler Bedienungsformen (Bürgerbusse, Anrufbusse / -sammeltaxis)
  • Verstärkung der Jugendarbeit z.B. beim Rettungs- und Feuerwehrwesen sowie stärkere Rekrutierung von Frauen sowie Ausländern

Praxisbeispiele